Archiv für September 2011

Co-Abhängigkeit

Angehörige von alkoholkranken Menschen wollen ihren süchtigen Familienangehörigen natürlich helfen. Niemand möchte wohl jemanden im Stich lassen, der krank ist und ihm seinen Schicksal überlassen. Dieses helfen wollen ist auch ganz normal und menschlich, wenn man sich selbst und sein eigenes Leben dabei nicht vergisst.

Lebt man hingegen nur noch für die Hilfe eines anderen Menschen, kann es schnell zu einer sogenannten Co-Abhängigkeit kommen, wo man zwar von sich aus überzeugt ist, jemanden zu helfen, aber manchmal genau das Gegenteil davon tut, was dem suchtkranken Menschen wirklich helfen würde. In vielen Fällen wird davon gesprochen, ich liebe ihn doch, wenn er nüchtern wäre, aber der Alkoholkonsum muss sich ändern. Helfen kann man aber meist nur, wenn die Hilfe auch gewünscht ist. Das bedeutet, der oder die Süchtige sollte seine Suchtkrankheit eingesehen haben und diese auch durch eine Abstinenz zum Stillstand bringen wollen. Ist dies nicht der Fall und es besteht kein Wusch zu einem suchtmittelfreien Leben, dann wird man das auch nicht erzwingen können. Versucht man hingegen dennoch zu helfen, kann es sehr schnell zu einer Co-Abhängigkeit kommen, die das eigene Leben völlig in der Hintergrund rücken lässt.

Falsche Verhaltensweisen, die zum Beispiel dafür sorgen, dass ein Alkoholiker keine Konsequenzen für seinen regelmäßigen Alkoholkonsum erfährt, können genau das Gegenteil bewirken, was man eigentlich möchte. Wir dem Süchtigen zum Beispiel ein ansonsten schönes Leben, eine saubere Wohnung, regelmäßiges Essen beschert und sich auch sonst um seine Belange, wie behördliche Angelegenheiten gekümmert, wird der Betroffene gar keinen Grund haben, über sich und seinen Alkoholkonsum nachzudenken.

Nachdenken und Veränderungen in seinem Leben können nur von den suchtkranken Menschen selbst kommen. Ist die Einsicht in die Alkoholabhängigkeit dann vorhanden, kann auch Hilfe von Angehörigen ankommen. Der neue alkoholfreie Weg kann dann auch unterstützt werden, weil wieder ein gemeinsames Ziel vorhanden ist, wo beide Seiten an Lösungen arbeiten können.

Entspannung durch autogenes Training

Immer mehr Menschen klagen darüber, nicht mehr genug Entspannung in ihrem Alltag zu erleben. Angesichts unserer immer hektischer werdenden Zeit und der Tatsache, dass wir heutzutage fast immer erreichbar sind, ist das nicht verwunderlich. So begeben sich viele auf die Suche nach einem Entspannungsverfahren und landen bei einem der beliebtesten und bekanntesten davon: Dem autogenen Training.

Was ist das autogene Training?
Das autogene Training wurde in den 1920er Jahren entwickelt und ist ursprünglich aus der Hypnose entstanden. Es basiert auf der sogenannten Autosuggestion, d.h. dem Unbewussten werden Informationen gegeben, an die es glauben soll. Dies geschieht durch eine Art Selbsthypnose, durch die die Psyche und auch der Körper beeinflusst werden. Ziel des autogenen Trainings ist eine schrittweise und ganzheitliche Entspannung des Körpers. Zwei Stufen werden hierbei unterschieden: Die Grundstufe und die Oberstufe. Die Grundstufe besteht aus sechs aufeinanderfolgenden Übungen. In der ersten Stufe wird suggeriert, dass Teile des Körpers schwer werden, so dass sich beispielsweise Arme oder Beine tatsächlich schwer anfühlen. In der zweiten Stufe geht es um Wärme, die durch den Körper strömt, in der dritten geht es um den Atem usw. Wenn alle sechs Teile durch Üben und Wiederholen leicht vonstattengehen, kann mit der Oberstufe begonnen werden. In ihr werden dann Erweiterungen der Übungen und konkrete Vorstellungen eingesetzt.

Anwendungen
Der Vorteil dieses Entspannungsverfahrens ist, dass man es sowohl allein Zuhause als auch in der Gruppe machen kann. Für den Heimgebrauch empfehlen sich CDs oder DVDs und vor allem Zeit und Ruhe für die Übung. Wichtig ist, dass die Übungen wiederholt und damit verinnerlicht werden. Vorteile bei den Übungen hat man durch eine Hypnose Ausbildung, in der man lernt, wie Hypnose funktioniert. Autogenes Training und eine Hypnose Ausbildung können gut miteinander kombiniert werden, denn sie gehören von ihrem Ursprung her zusammen. Auch die reine Hypnose kann durch ihre verschiedenen Anwendungsgebiete zur Steigerung der Entspannung beitragen. Wer besser in der Gruppe entspannen kann, findet viele Anbieter von autogenen Trainings wie z. B. die Volkshochschulen. Es gibt sogar manche Krankenkassen, die diese Kurse für ihre Mitglieder anbieten oder die Kosten dafür übernehmen.

Das wächst sich eben nicht aus, oder: ADS bei Erwachsenen

Dass das sogenannte “Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom” (ADS) eine reine Kinderkrankheit ist, ist mittlerweile widerlegt – denn aus Kindern werden Erwachsene und nicht erst seit der Entdeckung des Syndroms gibt es die Erkrankung. Im Klartext bedeutet dies: es gab schon immer Kinder und Erwachsene, denen es schwerer fiel, sich zu konzentrieren und die bei entsprechender Ausprägung des Phänomens zur Krankheit darunter litten und leiden. Und die Kinder, die heutzutage an ADS oder ADHS, dem “Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom”, erkranken, werden zu Erwachsenen.

ADS und Medikamente – auch für Erwachsene?
War es für Kinder und ihre Eltern nach genauer Diagnosestellung und Lebensumfeldanalyse üblich, medikamentös mit Methylphenidat, dem Wirkstoff, der im oft verschriebenen Mittel “Ritalin” verwendet wird, zu behandeln, stieß die medikamentöse Therapie im Erwachsenenalter schnell an die Grenzen der Legalität.
Bis April 2011 war es nur in Ausnahmesituationen möglich, Methylphenidat für Erwachsene zu verschreiben, da es in Wirkung und Struktur den Amphetaminen, in seiner Wirkung dem Kokain, ähnelt, weswegen es unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.
Mittlerweile ist der Wirkstoff auch in der Therapie mit Erwachsenen zugelassen, die Einschränkungen hinsichtlich der Verkehrstüchtigkeit sind aufgehoben, so dass Erwachsene mit ADS und entsprechender Therapie weiterhin zum Führen von Fahrzeugen berechtigt sind.
Ob eine medikamentöse Behandlung überhaupt benötigt wird, oder ob es andere Möglichkeiten gibt, im Alltag gut mit der Krankheit leben zu können, sollten Betroffene mit einem entsprechend für das Krankheitsbild ausgebildeten Facharzt klären.

Soziale Auswirkungen und Alltagsschwierigkeiten mit ADS bei Erwachsenen
Allein mit einer entsprechenden Medikation ist es aber bei kaum einer Krankheit getan, insbesondere nicht bei einer Erkrankung, die das Sozialleben so stark betrifft und beeinträchtigt, wie es dies ADS bei Erwachsenen tun kann.
Denn ADS behindert häufig den Alltag der Erkrankten – und zwar ohne, dass das Umfeld dies richtig einzuordnen vermag. Beispielsweise gelingt es ADS-Erkrankten nicht, sich selbst zu organisieren. Obwohl sie Rechnungen bezahlen oder sich an andere Termine halten wollen, “schaffen sie es einfach” nicht. Viele Alltagsaufgaben, die bei gesunden Personen quasi nebenher laufen, erfordern mit ADS bei Erwachsenen einen deutlich höheren Konzentrations- und Kraftaufwand, sodass ihre Ressourcen anderweitig zu fehlen scheinen. Sie wirken unzuverlässig, “verplant”, desorganisiert und teilweise auch desinteressiert, weil sie nicht im entsprechenden Moment adäquat reagieren.
Wichtig ist für diese Menschen, selbst, wenn sie bereits medikamentös behandelt werden, Ansprechpartner zu finden, die sie verstehen und mit denen sie Strategien erwerben können, sich selbst besser zu organisieren.

Wenn Sie schon immer gehäuft Dinge verlegen, Wochentage vergessen, emotional impulsiv reagieren oder zu Themensprüngen neigen, ist es möglicherweise hilfreich, sich mit dem Thema noch etwas genauer zu befassen.